„Die Menschen sind einfach dankbar“

„Die Menschen sind einfach dankbar“

HELDEN DER CORONA-KRISE TSV HÖPFINGEN BIETET EINKAUFSSERVICE AN / ÜBER 20 HELFER STEHEN BEREIT / ANDRÉ KAISER IM FN-GESPRÄCH

„Die Menschen sind einfach dankbar“

André Kaiser hatte Mitte März die Idee, einen Einkaufsservice in Höpfingen ins Leben zu rufen. Seither übernimmt er Botengänge für Hilfsbedürftige.

Höpfingen. Auch wenn es jetzt zu schrittweisen Lockerungen in Bezug auf die mit dem Coronavirus einhergehenden Beschränkungen kommt, ist die Gefahr der Ansteckung immer noch hoch. Deshalb müssen gerade die Risikogruppen, wie ältere Menschen und solche mit Grunderkrankungen, nach wie vor vorsichtig sein.

Da sie das Haus nicht verlassen sollten, um beispielsweise einkaufen zu gehen, sind gerade sie auf die Mithilfe der anderen angewiesen. So ist häufig von positiven Beispielen der Nachbarschaftshilfe, wie einem Einkaufsservice oder der Übernahme von Botengängen, in der gesamten Region zu hören.

Hilfe anbieten
Das hat auch André Kaiser vom TSV Höpfingen Mitte März erkannt und sofort reagiert. Auf der Fahrt zur Arbeit nach Heilbronn kam dem Lehrer der Gedanke: „Weshalb sollte man einen solchen Service nicht für ganz Höpfingen anbieten?“ Nach einer kurzen Absprache mit dem Geschäftsführer des TSV, Oliver Knörzer, sowie dem Vorstandsmitglied Steven Bundschuh wurde die Aktion ins Leben gerufen.

„Wir bieten unseren Service für ältere Menschen und für jene mit Vorerkrankungen und deren Familien an – es sollen sich eben diejenigen angesprochen fühlen, die zur sogenannten Risikogruppe gehören beziehungsweise diejenigen, die mit Personen der Risikogruppe zusammenleben“, erklärt Kaiser. Aber auch Personen in systemrelevanten Berufen, die gerade anderes um die Ohren haben, können die Hilfe in Anspruch nehmen, so der Höpfinger weiter.

„Es gibt zwei Wege“, erklärt er gegenüber den Fränkischen Nachrichten: „Zum einen habe ich meine Handynummer (Anm. d. Red.: Auf der Website des TSV Höpfingen) veröffentlicht, so dass sich die Menschen direkt bei mir melden können. Außerdem gibt es die Möglichkeit, beim DRK Kreisverband Buchen anzurufen.“

Dieser kooperiere mit dem TSV und leite wichtige Informationen zu Hygieneregeln oder natürlich Hilfeanfragen an Kaiser weiter.

„Unser Service umfasst natürlich erst einmal Einkäufe und Botengänge, beispielsweise zur Post. Es meldete sich aber auch eine Frau bei mir, die ihre Hilfe anbot und sagte, sie könne auch Hunde ausführen. So können wir auch das anbieten. Im Grunde sind wir offen für jegliche Form der Hilfe“, so der 32-jährige weiter.

Jeder kann mitmachen
Wenn der Erstkontakt hergestellt ist, kann die Einkaufsliste per Mail gesendet oder ganz klassisch vor die Tür gelegt werden. Danach geht es dann an die Arbeit. Über 20 Personen sind beim TSV Höpfingen bereit, ihre Dienste anzubieten.

„Besonders schön“ fand Kaiser auch, dass sich Helfer bei ihm meldeten, die primär erstmal nichts mit dem TSV zu tun hatten, aber dennoch bereit waren, nach Feierabend Einkaufen zu gehen. Bisher gibt es dabei keine Kooperationen mit lokalen Bäckereien, Metzgern oder Lebensmittelhändlern. Es komme aber vor, dass die Hilfsbedürftigen direkt fragen, ob André Kaiser in bestimmten Läden einkaufen könne, da es dort deren Produkte und Marken gäbe.

„Bisher habe ich auch alles gefunden“, erklärt er lächelnd und fügt an: „Manchmal sucht man vielleicht etwas länger, bis man ein bestimmtes Produkt gefunden hat, aber der Vorteil nach der Corona-Krise wird dann auch der sein, dass man die Supermärkte der Region wirklich gut kennt und auf Anhieb weiß, wo alles steht.“

Besonders achtet der Lehrer bei den Besorgungen auf das Einhalten der Abstandsregeln und möglichst keinen Kontakt zu den Hilfsbedürftigen.

„Auf dem Rückweg vom Einkauf erfolgt ein kurzer Anruf, dass die Lebensmittel in wenigen Minuten vor der Türe stehen werden. Das Geld kann – wenn möglich – überwiesen oder zur Einkaufsliste in einem Kuvert beigelegt werden. Das Rückgeld und der Kassenbon kommen dann wieder ins Kuvert. Es entsteht also kein direkter Kontakt“, beschreibt er das Vorgehen.

Kaiser freut sich sehr, dass das Angebot gut angenommen wird. „Die Menschen, für die wir einkaufen, sind einfach sehr dankbar. Und das ist genau der Grund, weshalb wir diesen Service anbieten. Nach dem Einkauf mit einem zufriedenen Gefühl nach Hause fahren zu können und die Gewissheit, dass man gerade jemandem helfen konnte, fühlt sich einfach gut an.“

Kinderbetreuung zuhause
Auch privat ändert sich für Kaiser aktuell einiges:

„Meine Freundin arbeitet bei einem Pflegedienst, deshalb kümmere ich mich gerade vermehrt um die Kinderbetreuung. Zum Glück ist das Wetter im April sehr angenehm, so dass wir auch oft spazieren gehen und ich schon einige Radtouren unternehmen konnte. So kommt man wenigstens an die frische Luft und die Decke fällt einem nicht auf den Kopf.“

Nach den Osterferien muss der Englisch- und Geografielehrer außerdem neuen Unterrichtsstoff für seine Schüler zusammenstellen, so dass dieser online abgerufen werden kann.

Abschließend machte Kaiser noch einmal deutlich: „Jeder sollte sich noch eine gewisse Zeit an die Regeln halten, damit wir bald wieder einen normalen Alltag bestreiten können. Ich möchte die Menschen in Höpfingen nochmals dazu ermutigen, unseren angebotenen Service zu nutzen. Wir haben noch viele Kapazitäten frei. Und mit jedem Einkauf verringern wir das Risiko etwas, dass sich ein Mensch der Risikogruppe mit dem Virus infiziert.“ Der TSV freue sich, den Menschennach der jahrelangen Unterstützung etwas zurückgeben zu können.

© Fränkische Nachrichten, Dienstag, 21.04.2020