Reguläre Fortsetzung der Fußballsaison scheint fast unmöglich

Reguläre Fortsetzung der Fußballsaison scheint fast unmöglich

Schwierige Zeiten für die Amateur-Fußballvereine der Region: Mit der Verlängerung der verschärften Corona-Maßnahmen bleibt auch der Spiel- und Trainingsbetrieb bis auf weiteres ausgesetzt. Seit Ende Oktober ruht der Ball, wann und ob die laufende Saison weitergespielt wird, ist unklar.

Die Fränkischen Nachrichten haben sich bei den Vereinen in der Region umgehört, und das Stimmungsbild ist überall ähnlich: Eine reguläre Fortsetzung der Runde scheint fast unmöglich zu sein.
„Es sieht für uns Amateursportler ziemlich trostlos aus“, bringt es Karlheinz Weidmann, Vorsitzender des FSV Hollenbach, auf den Punkt. Der Jugendkoordinator des VfR Gommersdorf, Helmut Beck, fügt an: „Aus Sicht der Vereine ist die Situation nicht einfach. Es fehlen die sozialen Kontakte, das gemeinsame Training, der Austausch. Das Verarbeiten von Niederlagen, das Feiern von gewonnenen Spielen, strahlende Gesichter von Kindern nach gelungenen Aktionen. Dem Verein selbst fehlen die kompletten Einnahmen aus Veranstaltungen. Es war keine Jahresabschluss- oder Weihnachtsfeier möglich, regelmäßige Vorstands- und Jugendtrainersitzungen mussten ausfallen.“

Er hofft und wünscht sich, „dass die laufende Saison in irgendeiner Form möglichst gerecht für alle Mannschaften zu Ende gespielt werden kann“. Aufgrund der Staffelgrößen sei eine komplette Saison sicher nicht mehr möglich.
Das wünscht sich auch Benjamin Schüßler von der Spvgg. Hainstadt: „Ein normaler Ablauf der bisherigen Saison ist unserer Meinung nach nicht mehr möglich. Entscheidend wird wohl sein, zu welchem Zeitpunkt es weitergehen kann. Aber für 18 verbleibende Spieltage in der A-Klasse und gar 25 in der Kreisliga wird es keinen Spielraum geben. Vorstellbar wäre dann maximal eine verkürzte Saison. Alles andere ist, auch bei einer Verlängerung der Runde in den Juni oder Juli, nicht realisierbar. Zu viele englische Wochen sind gerade bei den Amateuren problematisch.“
Der Fußball-Abteilungsleiter und Kapitän der Kreisliga-Mannschaft blickt bei alle dem Optimismus dennoch der Realität ins Auge: „So hart es klingen mag, wenn man sich die Entwicklung anschaut und die Fallzahlen betrachtet, ist auch ein Abbruch durchaus denkbar.“

Den Worten schließt sich Bernhard Weber, Abteilungsleiter des SV Nassig, an: „Nach den kürzlich beschlossenen Neuerungen der Bundesregierung und einer danach eher schrittweisen Rückkehr zur Normalität deutet es vermutlich eher auf einen Abbruch hin. Der Freizeitsport wird sicherlich nicht eines der ersten Dinge sein, die wieder möglich gemacht werden.“

Eine Fortsetzung scheint wenn dann nur in einem alternativen Spielmodus denkbar, wie er schon in der Landesliga Odenwald von Beginn an gespielt wird. Das sieht Reinhold Klingmann, Abteilungsleiter des TSV Rosenberg, zwar als Vorteil, dennoch glaubt er nicht, dass auch in diesem Modus regulär zu Ende gespielt wird. „Wir müssen zufrieden sein, wenn die Vorrunde zu Ende gespielt wird und der dann erreichte Tabellenstand als Endergebnis für die Saison zählt“, findet auch Karlheinz Weidmann, Vorsitzender des FSV Hollenbach.

Michael Burger, Abteilungsleiter des TSV Tauberbischofsheim, hat ebenfalls eine klare Meinung: „Die Saison sollte auf keinen Fall abgebrochen werden. Rückblickend kann der Saisonabbruch 2019/20 als Fehler gewertet werden. Statt die neue Saison 2020/21 zu beginnen, hätte die alte Saison sportlich fair zu Ende gespielt werden können. Der Zeitraum September 2020 bis Juni 2021 hätte hier genügend Spielraum und Flexibilität zugelassen.“ Auch er glaubt nicht an ein reguläres Ende der Spielzeit: „Je nach Pandemieentwicklung ist eine Auf- und Abstiegsrunden nach der Vorrunde möglich, wobei wir aktuell eher von einer direkten Abschlusswertung nach der Vorrunde ausgehen.“
Trotz der großen Unsicherheit, die derzeit herrscht, werden bei den meisten Vereinen schon die Weichen für die kommende Spielzeit gestellt. Beim FSV Hollenbach sind diese schon weitgehend abgeschlossen (wir berichteten), auch die Verantwortlichen aus Rosenberg und Hainstadt berichten ähnliches. „Nicht für die kommende Saison zu planen wäre fahrlässig. Es wird ja hoffentlich irgendwann weitergehen“, sagt Benjamin Schüßler.

Bisher haben kaum Spieler der befragten Vereine signalisiert, aufzuhören – und wenn, dann habe das nichts mit der Pandemie zu tun, sondern sei eher studienbedingt oder habe andere Gründe. „Ich denke, in den oberen Spielklassen wird das nicht so ohne Weiteres vorkommen. Allerdings kann ich mir in den Kreisligen schon vorstellen, dass der Eine oder Andere die Kickstiefel – zumindest vorübergehend – an den Nagel hängt“, sagt Karlheinz Weidmann. „Nach der ersten ,Corona-Pause’ hatten wir zumindest keine Abgänge zu verzeichnen. Wir hoffen, dass dies auch so ist, wenn wir dieses Mal wieder starten dürfen. Aber, je länger die Pause dauert, desto größer ist die Gefahr, Spieler zu verlieren“, berichtet Bernhard Weber.

Viel prekärer ist die Situation hingegen bei der Jugend, wie Manuel Kleinheinz, Abteilungsleiter des TV Niederstetten, ausführt: „Wir hatten im vergangenen Sommer bereits einen leichten Rückgang an Jugendspielern – und dieser könnte sich leider fortsetzen.“

Das kann auch Timo Frisch, Abteilungsleiter des TSV Höpfingen bestätigen: „Unserem Gefühl nach entfernen sich immer mehr Jugendliche Schritt für Schritt vom Sport und gewöhnen sich mehr und mehr an das Leben vor der Konsole. Daher arbeiten wir gerade vereinsintern daran, Online-Trainingseinheiten zu organisieren, damit sich die Jugendlichen zumindest weiter sehen und ein wenig Sport treiben können. Außerdem werden einzelne Trainingsaufgaben gestellt, die in Eigenverantwortung durchgeführt und dokumentiert werden können. Dies ersetzt aber natürlich bei weitem nicht die gemeinsamen Trainingseinheiten und Spiele.“

Ähnliches hat man sich bei den Jugendmannschaften des FSV Hollenbach ausgedacht. Weidmann: „Unsere Trainer sind sehr motiviert, verantwortungsvoll und haben ständigen Kontakt zu den Spielern. Sie geben die Trainingsformen und -aufgaben fürs Einzeltraining vor, auch werden immer wieder Video-Calls gemacht in denen die Jungs dann von ihren Trainingseinheiten berichten. Bisher klappt es laut unseren Trainern größtenteils sehr gut. Unsere Jungs sind ehrgeizig und wollen die gesteckten Ziele unbedingt erreichen, was im überregionalen Jugendfußball nicht ganz einfach ist.“

Auch das ehrenamtliche Engagement in den Vereinen leidet unter der Corona-Pandemie – am Ende könnten sogar Helfer verlorengehen. In Nassig bleibt man dennoch optimistisch, wie Bernhard Weber verrät: „Die Befürchtung ist natürlich da, zumal die regelmäßigen Zusammenkünfte und dass gegenseitige Austauschen seit geraumer Zeit gänzlich fehlen. Wir setzen dennoch auf unser Zusammengehörigkeitsgefühl.“ Manuel Kleinheinz berichtet ähnliches aus Niederstetten: „Die Gefahr ist natürlich da, jedoch haben wir nach dem ersten Lockdown einen spürbaren Zusammenhalt gemerkt, auf dem wir aufbauen können. Auch die Trainingsbeteiligung im Aktivenbereich war diesen Sommer überdurchschnittlich hoch.“

„Die Problematik der ehrenamtlichen Helfer ist ja bereits seit Jahren präsent. Bisher können wir hier bei uns im Bereich des Fußballs zum Glück keine negativen Auswirkungen bemerken. Wir hoffen natürlich, dass dies auch so bleibt“, fasst Timo Frisch vom TSV Höpfingen die Situation zusammen.

Positives berichteten die Verantwortlichen auch über die Zusammenarbeit mit dem Badischen Fußballverband und den Kreisverbänden: „Der Informationsfluss funktionierte gut. Es fanden viele virtuelle Veranstaltungen zur weiteren Vorgehensweise, den Hygienekonzepten und zur erneuten Trainingsaufnahme nach dem ersten Lockdown statt“, so Helmut Beck. Regelmäßig wurden die Vereine in Online-Veranstaltungen und per Mail informiert. „Letztendlich sind hier ja aber auch alle komplett von den Entscheidungen der Politik abhängig und müssen darauf reagieren“, sagt Timo Frisch.

Karlheinz Weidmann als Württembergischer Vertreter wünscht sich von seinem Fußballverband mehr Offenheit: „Es wäre schön, wenn man die Vereine vor weitreichenden Entscheidungen mit einbezieht und nicht nur immer hinterher informiert, was beschlossen wurde. Die Umsetzung liegt ja schließlich dann bei den Vereinen, also sollten diese auch mitentscheiden können. Vonseiten des Bezirks werden wir von Spielleiter Hartmut Megerle sehr gut informiert.“

Michael Burger hätte sich mit Blick auf die Hygienekonzepte ein früheres Handeln gewünscht: „Die Verbände haben sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten immer bemüht, uns zu unterstützen. Grundsätzlich wäre allerdings eine etwas frühere Erstellung von Corona-Konzepten und Plakatmotiven mit Hygieneregeln für Zuschauer und Spieler wünschenswert gewesen. In der Startphase musste diese intensive Ausarbeitung somit von den Vorständen aller Vereine erbracht werden.“

Abschließend findet Manuel Kleinheinz die passenden Worte: „Mit dem aktuellen, schmerzvollen Verzicht leisten wir einen wertvollen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie. Wichtig wäre jetzt allerdings ein positives Zeichen zu setzen – wann und unter welchen Voraussetzungen es wieder weitergehen kann, um allen auch vorsichtigen Optimismus vorzuleben.“
 

Teile die TSV Webseite in den Sozialen Medien

Veranstaltungen

Mo Di Mi Do Fr Sa So
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30

Besucher der TSV Seite

Heute 88

Gestern 1367

Woche 4099

Monat 29905

Insgesamt 1224532

Fair und Regional

© 2021 TSV Frankonia Höpfingen 1911 e.V.
https://www.jpk-web-vision.de/

Publish modules to the "offcanvas" position.