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„Subventionen sind nicht zielführend“

FUSSBALL BFV-SPIELLEITER NIMMT DIE NUN BEGINNENDE SAISON DER VERBANDSLIGA NORDBADEN UND DER LANDESLIGA ODENWALD UNTER DIE LUPE UND NENNT SEINE MEISTERTIPPS


Badens „Frühstarter-Ligen“ sind die Verbandsliga Nordbaden und die Landesliga Odenwald. Am Wochenende geht es mit diesen beiden 18 Teams starken Spielklassen schon wieder los. Über das, was sich bei den Vereinen während der Sommerpause getan hat, haben wir ausführlich in unserer Sonderbeilage „Volltreffer“ am Mittwoch berichtet. Zum Saisonstart stand uns nun BFV-Spielleiter Felix Wiedemann zu diesem Interview zu Verfügung

Herr Wiedemann, schaut man sich die Spielpläne der Verbandsliga und der Kreisligen an, startet die Kreisliga Tauberbischofsheim mit 14 Vereinen, während die Kreisliga Buchen, die Landesliga Odenwald und die Verbandsliga mit 18 Klubs als „Dickschiffe“ an den Start gehen. Sind diese Ligen nicht schon zu aufgebläht und überhaupt noch zeitgemäß? Überfordert man da die Spieler nicht?

 

Felix Wiedemann: Mit 18 Mannschaften in die Saison zu starten, ist sicher nicht ideal. Unsere Staffelstärke beträgt in der Regel 16 Mannschaften. Wir haben eine starre Abstiegsregelung, was den Vorteil hat, dass alle Vereine zu Saisonbeginn wissen, wie viele Mannschaften am Ende der Spielrunde absteigen und somit eine Planungssicherheit gegeben ist. Die Anzahl der Absteiger ist dadurch unabhängig davon, wie viele Mannschaften aus oberen Spielklassen absteigen. Am Ende der Saison 17/18 sind leider sehr viele Mannschaften aus der Oberliga in unser Verbandsgebiet abgestiegen und zusätzlich hat Heddesheim als Vizemeister leider den Aufstieg über die Relegation in die Oberliga verpasst, mit der weiteren Folge, dass die Verbandsliga nun mit 18 Mannschaften spielen wird. Diese Konstellation ist sicher aber nicht die Regel und die Staffelstärke wird sich in den folgenden Spielzeiten wieder auf 16 Mannschaften einpendeln. Alternativ zu dieser Regelung wäre ein Ligamodel mit flexibler Abstiegsregelung, was aber dann zur Folge hat, dass direkt ein erhöhter Abstieg erfolgen muss, um immer auf die Sollgröße von 16 Mannschaften zu kommen. Das heißt: Wir hätten am Ende der Spielzeit 17/18 bereits zwei zusätzliche weitere Absteiger aus der Verbandsliga gehabt und damit auch in den unteren Ligen einen erhöhten Abstieg. Es wären also fünf Mannschaften von 16 direkt aus der Verbandsliga Nordbaden abgestiegen. Das finde ich eine schlechte Alternative.

Die Vertreter der Landesliga Odenwald haben es immer besonders schwer, in der Verbandsliga Fuß zu fassen. Wird sich daran auch in Zukunft nicht viel ändern und kann der Verband da eventuell aktive Hilfe leisten, eventuell als Subvention für den strukturschwachen Raum?

Wiedemann: Die Verbandsliga ist unsere höchste Amateurspielklasse im Verbandsgebiet. Im Herrenbereich stehen die Verbandsligavereine aus dem Odenwald deshalb genauso wie alle anderen Vereine in Konkurrenz zueinander. Löblich ist dabei, dass die Vereine aus dem Odenwald in der Regel auf lokale Spieler zurückgreifen. Sie haben es hier aufgrund der demografischen Entwicklung vielleicht etwas schwerer als Vereine aus Ballungsräumen oder Stadtnähe. Aktive Hilfe in Form von Subventionen für einen Verein aus einem strukturschwachen Raum, um an der höchsten Verbandsspielklasse teilnehmen zu können, halte ich aber nicht für zielführend. Gesunde Vereinsarbeit ist nie abhängig von der Teilnahme an einer bestimmten Spielklasse.

Vier Direktabsteiger werden die Verbandsliga wieder verlassen müssen. Sehen Sie in dieser Klasse große Leistungsunterschiede zwischen den Vertretern der Ballungsräume und des ländlichen Raumes?

Wiedemann: Die Mannschaften sind insgesamt auf einem guten, ähnlich starken Niveau. Wenn Unterschiede erkennbar sind, ist es schwierig eine Kausalität alleine auf die Stadt-, Land-Verteilung zurückzuführen.

In der abgelaufenen Saison gab es 26 Spielabbrüche im Verbandsgebiet; bei rund 35 000 Spielansetzungen nicht viel, aber zuvor war die Entwicklung rückläufig. Welche Strategie verfolgt der Verband, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken?

Wiedemann: Der BFV hat schon seit vielen Jahren Maßnahmen zur Prävention entwickelt und sensibilisiert seine Vereine, eigenverantwortlich aktiv zu werden, zuletzt verstärkt mit Gewaltpräventionsveranstaltungen 2009 bis 2011 in allen Fußballkreisen. Die verschiedenen Präventions-Maßnahmen wurden nun gebündelt in einem Fair Play-Konzept „selbstFAIRständlich“ zusammengefasst. Es handelt sich um einen Status Quo und kein starrer Zustand. Das Thema Fair Play ist durch das Konzept auf allen Verbandsebenen präsent und auch in der Öffentlichkeit. Wir verfolgen die Strategie zu sensibilisieren, aber gleichzeitig auch auf- und einzufordern, dass jeder Verein und dort handelnde Personen selbstständig tätig werden. Jeder Verein sollte das Thema aktiv die Hand nehmen. Den Vereinsvertretern muss klar werden, dass Fair Play bei Prävention beginnt. Eine wichtige Maßnahme ist der Platzordnerobmann, den jeder Heim- und Gastverein stellen muss. Für uns geht es nicht um das „Muss“, sondern dass die Vereine erkennen, welche Notwendigkeit und Sinn ein Platzordnungsobmann während des Spiels ergibt. Daher haben wir das Thema „Fair Play/Prävention“ auch bei allen Staffelsitzungen zum Thema gemacht. Der BFV führt kostenfreie Schulungen im Oktober/November durch. Weiterhin ist es uns wichtig, zusammenzurücken und eine Willkommens- und Verabschiedungskultur am Spieltag zu leben. Der BFV schafft grundsätzlich Rahmenbedingungen und leistet Hilfestellung, aber letztendlich ist jeder Verein aufgefordert, aktiv zu werden und Fair Play im Verein zu leben. Nur so bekommt auch der Fußball das gesamtgesellschaftliche Problem der Gewalt auch in Griff.

Hat das Fair-Play-Konzept des BFV noch nicht richtig gegriffen?

Wiedemann: Das Fair Play-Konzept ist an sich nicht komplett neu, sondern wir bündeln verschiedene Maßnahmen der letzten Jahre, haben diese weiterentwickelt und tragen sie mit der Botschaft „selbstFAIRständlich“ nach außen. Das Konzept ist seit Ende 2017 in der Öffentlichkeit, und wir sehen es als Prozess, die Maßnahmen in die Öffentlichkeit und insbesondere in unsere Vereine zu tragen. Daher kann auch nicht die Rede davon sein, dass das Konzept noch nicht gegriffen hat.

Zum Schluss Ihr Tipp für den – oder die – Meisterschaftsfavoriten in der Verbandsliga Baden und der Landesliga Odenwald?

Wiedemann: SV Sandhausen U23 in der Verbandsliga und VfR Gommersdorf in der Landesliga Odenwald. Bild: BFV

© Fränkische Nachrichten, Freitag, 10.08.2018


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